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Im Islam ist der soziale Kontakt und die gemeinsame Zusammenarbeit zwischen nicht verwandten Männern [1] und Frauen [2] erwünscht, solange die Verhaltensregeln der islamischen Sittsamkeit beachtet werden. Die Geschlechter sollen sich stets mit viel Respekt und gegenseitiger Achtung begegnen, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen.
Allah sagt im Heiligen Koran (9:71): „Und die überzeugten Männer und die überzeugten Frauen, sind untereinander Freunde: Sie gebieten das Gute und verbieten das Böse und verrichten das Gebet (…).


Verbot der Zuschaustellung der Reize

Das Thema der islamischen Bekleidungsvorschriften spielt beim gegenseitigen Umgang eine wichtige Rolle [3]. Da sexuelle Freuden, optische wie körperliche, im Islam auf die Ehegemeinschaft beschränkt sind, müssen Muslime in Anwesenheit von nicht Mahram-Verwandten [4] – ab der Pubertät – die islamischen Bekleidungsvorschriften beachten. In Gegensatz zur westlichen Gesellschaftsordnung sind nämlich die Grenzen der Arbeits- und Vergnügungswelt nicht fließend, sondern diese Bereiche sind auseinanderzuhalten.
Die Kleidung von Muslimen sollte grundsätzlich den Körper in einer Weise bedecken, dass die Figur nicht sichtbar wird. Durchsichtige oder eng anliegende Kleidung ist daher tabu. Wer sich reizvoll und auffällig kleidet, zieht bewusst die Aufmerksamkeit und das Interesse seiner Mitmenschen auf sich. Die Zuschaustellung des eigenen Körpers und die provokative Selbstinszenierung in der Öffentlichkeit sind im Islam verboten. Eine dezente Kleiderwahl soll den ernsthaften Dialog fördern und die Ehre beider Geschlechter bewahren.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei den Bekleidungsvorschriften
Aufgrund der biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt es geschlechterspezifische Anforderungen an der Kleidung. Das Ausmaß der Körperbedeckung unterscheidet sich bei Männern und Frauen. Trotz der Unterschiede gibt es bei der Form und Art der Bekleidung auch einige Gemeinsamkeiten, die für beide Geschlechter verbindlich sind:
- Die Kleidung darf nicht zu eng und figurbetont sein
- Die Kleidung darf nicht durchsichtig sein
- Die Kleidung darf nicht auffällig sein, sodass man zum Blickfang wird
- Die Kleidung darf nicht der Kleidung des anderen Geschlechts ähneln
- Die Kleidung darf nicht als Werbefläche dienen für unislamische Schriftzüge, Symbole (z.B. Jesuskreuz) oder Modemarken (z.B. Versace)

Situation in Deutschland
In Deutschland und anderen westlichen Staaten haben muslimische Frauen zunehmend Probleme hidschabkonforme Kleidung zu finden. Besonders im Sommer kann das Einkaufen eine Qual sein; die Schnitte sind zu tief, die Kleider eng, durchsichtig oder einfach nur zu kurz.
Wer sich nicht sexy und chic kleiden möchte, muss viel Zeit einplanen beim Shoppen. Die allermeisten Anziehsachen haben keine reine Bedeckungsfunktion mehr, sondern betonen zusätzlich die weiblichen Reize. Die Kleidung soll möglichst viel Aufmerksamkeit erregen. Diese westlichen Trends stehen im Widerspruch zu den islamischen Bekleidungsvorschriften.


Absage an die Modewelt und der Sex-sells-Industrie


Die Frau gilt im Islam als das eindeutig schönere Geschlecht. Diese Schönheit darf aber nicht missbraucht werden. Frauen sind keine Lustobjekte an denen sich Männer erfreuen sollen. Daher sieht die islamische Frauenbekleidung (hidschab) vor, dass Frauen ihren gesamten Körper (bis auf das Gesicht und die Hände), ihre Haare und ihren Schmuck nicht zur Schau stellen. Ihre Aura [5] umfasst also den gesamten Körper mit Ausnahme des Gesichts und der Hände.
Die schlichte Kleidung von muslimischen Frauen ist eine Ablehnung des Mode-Diktats des Designer und Magermodels. Im Islam sollen die Taten und der Charakter im Vordergrund stehen, nicht die Reize. Eine muslimische Frau muss ihren Körper nicht missbrauchen, um gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten. Ihr “Schmuck” ist nicht ihr Kleid, sondern das was sich darunter befindet.
Eine muslimische Frau mit vollständigem Hidschab vermittelt ihrer Umgebung die Botschaft, dass sie sich an die Gesetze Allahs hält und nicht gewillt ist zu flirten. Sie gibt Männern keinen Anreiz ihr hinterher zu gucken oder sie unanständig anzusprechen.
Der Hidschab des Mannes
Muslimische Männer müssen ebenfalls darauf achten, dass ihre Kleidung nicht zum Blickfang wird. Ihre Aura [5] reicht vom Bauchnabel bis zu den Knien. Auch ihre Kleidung darf keine Gefühle unangebrachten Verlangens erwecken. Allah sagt im Heiligen Koran (24:30): “Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren.” Außerdem dürfen Männer, im Gegensatz zu Frauen, keine Seide (z.B. Krawatten) und keinen Goldschmuck (z.B. Ringe) am Körper tragen.


Hidschab und hidschabkonformes Verhalten


Gierige Blicke, unerwünschte Avancen und Flirt-Angriffe lassen sich nicht allein durch die islamischen Bekleidungsvorschriften stoppen. Das eigene und fremde Verhalten sind ebenfalls von großer Bedeutung. Aber die Zahl der Belästigungen lässt sich durch die Bekleidungsvorschriften sehr erfolgreich auf ein Minimum reduzieren. Und je mehr Menschen sich an den Gesetzen Allahs halten, desto zivilisierter und anständiger wird der gegenseitige Umgang miteinander.
Autor: Hessam Kordian

Fußnoten
[1] Die Mahram-Verwandten des Mannes sind seine Ehefrau, Mutter, Großmutter, Urgroßmutter usw., Tochter, Enkel, Urenkel usw., Schwiegermutter, Schwiegertochter, Stieftochter, Schwester, Nichte (Tochter des eigenen Bruders oder Schwester), Tante (Schwester des Vaters oder der Mutter), Amme (Nährmutter) und Milchschwester.
[2] Die Mahram-Verwandten der Frau sind ihr Ehemann, Vater, Großvater, Urgroßvater usw., Sohn, Enkel, Urenkel usw., Schwiegervater, Schwiegersohn, Stiefsohn, Bruder, Neffe (Sohn des eigenen Bruders oder Schwester), Onkel (Bruder des Vaters oder der Mutter) und Milchbruder.
[3] Siehe Koran: 24:30-31, 7:26-27
[4] Siehe Fußnote 1 und 2
[5] Mit ‘Aura ist der Schambereich gemeint, der durch die Kleidung bedeckt werden muss.

Quelle: http://www.islam-ist-frieden.de