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Das Wunder des Propheten Muhammad besteht in dessen Botschaft und ihrer Verwirklichung. Von Camil Sahinöz

Der Gesandte glaubt an das, was zu ihm von seinem Herrn herab gesandt worden ist, und ebenso die Gläubigen; alle glauben an Allah, Seine Engel, Seine Bücher und Seine Gesandten.“ (Al-Baqara, 285)

(iz). Der Islam begann nicht mit dem Propheten Muhammed, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Er ist weder der ­erste noch der einzige Prophet, an den die Muslime glauben. Daher sind die Muslime auch keine „Muhammedaner“. Oh­ne ein Verständnis sämtlicher Propheten - von Adam bis Muhammad, möge Allah ihnen allen Frieden geben - würde man den Islam zu stark eingrenzen. In seinem Zentrum steht die Botschaft des Qur’an.


Die Biographie Muhammeds ist aber von außerordentlicher Wichtigkeit, um dem Qur’an zu verstehen. Er war quasi ein lebender Qur’an [seine Ehefrau ‘Aischa beschrieb den prophetischen Charakter mit ähnlichen Worten]. Viele mehrdeutige Verse des Qur’ans werden für uns erst durch den Propheten, möge Allah ihn segnen, verständlich. Daher müssen wir Muhammed, die Krone der Schöpfung, so gut wie möglich kennenlernen. Natürlich kann man in einem kurzen Text wie diesem, das Leben des Propheten nicht vollständig beleuchten. Daher begnügen wir uns mit den Eckpfeilern seines Lebens.


Muhammed, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wurde 570 n. Chr. in der Stadt Mekka in Arabien ­geboren. Er stammte aus einer vornehmen Familie und war bekannt für seine Wahrhaftigkeit, seinen Großmut und seiner Aufrichtigkeit, wofür er sich den Beinamen Al-Amin, der Vertrauenswürdige, erwarb.


Die erste Offenbarung empfing er im Alter von 40 Jahren. Er lud die ­Menschen in Mekka 13 Jahre lang zum Islam ein. In dieser Zeit waren er und seine Gefährten, die den Islam annahmen, schweren Misshandlungen und Verfolgungen ausgesetzt, sodass ihm Allah befahl, nach Medina (einer anderen Stadt in Arabien) auszuwandern. Während der kurzen Zeitspanne von 23 Jahren wurde seine Botschaft vollendet. Er starb in Medina im Alter von 63 Jahren und wurde dort beigesetzt. Seine Biographie veranschaulicht die Lehren des Qur’ans und ihre Umsetzung in der Praxis.


Eines der größten Wunder des Propheten ist es wohl, dass er in dieser kurzen Zeitspanne die Kultur seines gesam­ten Volkes veränderte. Said Nursi schrieb dazu: „Wenn man aber weiß, wie ein großer Herrscher mit großer Anstrengung kaum eine unbedeutende Gewohnheit - wie das Rauchen - selbst in einem kleinen Stamm für die Dauer aufzuheben vermag, dann betrachte man, wie diese Persönlichkeit viele und starke Gewohnheiten selbst bei diesen starrköpfigen, ihren Sitten verhafteten großen Stämmen, mit äußerlich nur geringer Macht, mit nur geringer Anstrengung in kurzer Zeit überwand. An ihre Stelle pflanzte und festigte er in ihnen höchste moralische Werte, die ihnen in Fleisch und Blut übergingen (…). Und noch sehr viel dergleichen Wunderbares bringt er zur Durchführung. Wer aber nun diese ‘glückliche Zeit’ (des Propheten) nicht sehen will, dem sei die Halbinsel ­Arabien vor Augen geführt! Möge er hunderte von Philosophen mit sich nehmen, dorthin gehen, hundert Jahre arbeiten. Könnte er auch nur ein Hundertstel dessen vollbringen, was diese Persönlichkeit unter den Umständen seiner Zeit in einem einzigen Jahr geschaffen hat?“


Ein Exkurs

In den Jahren von 1919 bis 1932 war in den USA Alkohol verboten. Trotz der Prohibition wurden weiterhin riesige Men­gen von Alkohol eingeführt. Viele i­llegale Organisationen verdienten so ihr Geld und das organisierte Verbrechen wuchs stetig an, weil das Volk nicht darauf verzichten wollte. Prof. Dr. Julius Hirsh schrieb dazu: „Der Prophet Muhammed hat durch die Hand des Korans Alkohol verboten und hat es somit geschafft, dass Millionen von Menschen seit Jahrhunderten von dem Schaden und Verlust des Alkohols schonen geblieben sind. Dies konnte man trotz einem ­riesigen Aufwand mit viel Propaganda im 20.Jahrhundert in den USA nicht ­verwirklichen.“

Innerhalb weniger Jahrzehnte nach dem Tod des Propheten Muhammed ­erstreckte sich das Gebiet unter muslimi­scher Oberhoheit über drei Kontinente - Asien, Afrika und Europa. Zu den Ursa­chen für die schnelle und friedliche Ausbreitung des Islam gehörte die Eigenschaft seiner Lehre - der Islam ruft zum Glauben an den Einen, anbetungswürdigen Gott auf und ruft die Menschen immer wieder dazu auf, ihr Denkvermögen und ihre Beobachtungsgabe zu gebrauchen. Während sich die muslimische Zivilisation entwickelte, nahm sie das Erbe früherer Völker auf - wie das Ägyptens, Persiens und Griechenlands. Die Synthese von östlichen und westlichen Ideen sowie von neuem und altem Denken führte zu großen Fortschritten auf verschiedensten Wissensgebieten. Gelehrte innerhalb der muslimischen Tradition entwickelten Kunst, Architektur, Astronomie, Geographie, Geschichte, Sprache, Literatur, Medizin, Mathematik und Physik und taten sich auf diesen Gebieten hervor.


Der vermeintlich weltliche Erfolg des Propheten hatte schon in der letzten Zeit seines Lebens einige Abenteurer gereizt, als falsche Propheten aufzutreten. Nach seinem Tode wurde Abu Bakr zum Leiter der muslimischen Gemeinschaft. Auf ihn folgten ‘Umar, ‘Uthman und ‘Ali. Schon zu Zeiten von ‘Umar herrschten die Muslime von Libyen bis Afghanistan sowie von Armenien bis an die Grenzen Indiens. Unter dessen Nachfolger ‘Uthman breitete sich der Islam bereits bis einschließlich nach Andalusien (Spanien) aus.


Kaum 15 Jahre nach dem Tode des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, erreichten die Muslime die Ufer des Atlantiks und des ­Indischen Ozeans und kontrollierten eine Fläche von der Größe Europas. Doch es bestand nie Grund, den ­Islam durch Gewaltanwendung einzuführen, was der Islam ja auch ausdrücklich untersagt. Darauf verweist auch der Brief eines nestorianischen Bischofs an einen seiner Freunde: „Diese Araber, denen Gott in unseren Tagen die Herrschaft gegeben hat, sind auch unsere Herren geworden; sie bekämpfen jedoch nicht die christliche Religion. Vielmehr schützen sie unseren Glauben, achten unsere Priester und Heiligen und machen Zuwendungen an unsere Kirchen und unsere Klöster“ (Assemani, Bibl. Orient. III 2, S. XCVI). Diese christliche Urkunde ist vollständig erhalten geblieben.


Heute, ca. 1.400 Jahre nach der ­Geburt des Propheten, findet sich der ­Islam in allen „Ecken“ der Welt. Beinahe eineinhalb Milliarde Menschen, egal ­welcher Nationalität oder Hautfarbe, ­bekennen sich zu ihm.

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