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Die Zahlen sind alarmierend. Der Scotland-Yard-Chef in London sagte kürzlich, dass sich jede Woche fünf britische Staatsangehörige ISIS anschliessen, die Anzahl europäischer Muslime gehe in die Tausende.

Trotz der ständigen Präsenz in den Medien bleibt die Frage nach dem Warum ein Rätsel. Die meisten Erklärungsversuche beschränken sich auf die Rolle der Dschihadisten und die Radikalisierung als Motivation zur Teilnahme. Dies wird der Sache nicht gerecht. Die inneren und äußeren Ursachen, welche die europäischen muslimischen Gemeinschaften prägen, sind viel komplexer. Ich habe die schrecklichen Taten der ISIS wiederholt öffentlich verurteilt, aber um Terrorismus zu bekämpfen ist es unbedingt erforderlich, dass wir die Gründe verstehen, welche die europäischen Muslime motivieren, sie zu unterstützen. Diese Muslime, die sich für den Kampf entschließen, gehören meistens zur zweiten oder dritten Generation von Einwanderern aus dem Mittleren Osten oder Südasien. Diese Generationen sind gefährdet, weil sie einen Punkt erreicht haben, wo sie die Kultur ihrer Vorfahren verlieren und sich in dem Land, wo sie wohnen und Bürger sind, nicht voll akzeptiert und dazu gehörend fühlen.

Im Gegensatz zu Amerika sind viele muslimische Gemeinschaften in Europa aufgrund von Vereinbarungen betreffend Rektrutierung von Arbeitern – um den Mangel nach dem Zweiten Weltkrieg zu decken – zwischen dem Gastland und den muslimischen Ländern entstanden. Also haben sich zum Beispiel eine große Anzahl Pakistaner auf den Weg nach Großbritannien gemacht, Türken nach Deutschland und Marokkaner nach Belgien. Diese Einwanderer und ihre Nachkommen sehen sich bei der Integration in die Gesellschaft substanziellen, strukturellen Problemen gegenüber. Sie wuchsen in wirtschaftlich benachteiligten Gebieten auf, ohne Zugang zu Ausbildung und ohne Arbeitsmöglichkeiten.

Zu allem Übel hat die religiöse Führung in den muslimischen Gemeinschaften bei der Beratung der Jugendlichen versagt. Es war für sie schwierig oder gar unmöglich ins Gespräch mit dem Imam ihrer Moschee zu kommen, wenn sie über ihre Probleme sprechen wollten. Meistens sind die Imame gerade erst vom Ausland eingetroffen und haben wenig Ahnung von oder Interesse an der europäischen Geschichte und Kultur. Oft können sie die lokale Sprache kaum sprechen. Wenn dann die jungen Muslime mit ihnen das Gespräch suchen und über die gesellschaftlichen Schwierigkeiten sprechen wollen, denen die Jugend in Europa gegenübersteht – Alkohol, Drogen, Sex, Mobbing, wissen sie keinen Rat. Manchmal können sie nicht einmal eine klare Definition von Dschihad geben. Kurz gesagt, sie sind in dieser Sache kaum eine Hilfe für die muslimische Gemeinschaft. Und die Eltern, die damit beschäftigt sind, ihre wirtschaftliche Existenz in der europäischen Gesellschaft aufzubauen, haben die Beziehung zur nächsten Generation verloren. Dies wird ersichtlich, wenn sie mit Schrecken und Entsetzen feststellen, dass ihre Söhne und Töchter wegen terroristischen Fällen angeklagt wurden.

Es gibt auch äußere Einflüsse, die junge Muslime dazu treiben können, sich ISIS anzuschliessen. Der wichtigste Faktor ist die allgegenwärtige Islamophobie, die seit 9/11 stetig zunimmt. Diese bewirkt, dass die muslimische Jugend in einem Umfeld aufwächst, wo sie sich immer in die Defensive gedrängt fühlt. Die Medien machen sich über die Religion des Islam, Gott, den Propheten ﷺ, das Heilige Buch und die Bräuche lustig und noch schlimmer, die Kommentatoren haben die Gewohnheit, nicht islamische Bräuche – wie Ehrenmorde und Mädchenbeschneidung – dem Islam zuzuschreiben. Islamophobie drängt die Jugendlichen, die vielleicht schon wegen ihrer sozialen Situation aufgrund der erwähnten struktuellen Probleme frustriert sind, aus der Gesellschaft und nährt ihre Verstimmung. Mit dem Gefühl der Ausgrenzung zwischen den Kulturen können sie der Verlockung der Verfechter vom Kampf im Mittleren Osten oder der Vorstellung, weit weg von ihren Problemen in Europa einen „Islamischen Staat“ zu finden, mit dem Versprechen eines besseren Lebens erliegen.

Als wäre dies nicht schon schlimm genug, durch die energische, wachsende und rohe rechtsextreme Szene wird der Druck erhöht, von Britain First in Großbritannien bis zu Golden Dawn in Griechenland. Diese Gruppen haben es auf Migranten namentlich auf Muslime abgesehen. Sie sind oft hartnäckig und bedrängen Muslime in den Moscheen und Zuhause. Sie verbreiten Angst, Furcht und Zorn in der muslimischen Gemeinschaft.

Obwohl wir ISIS verurteilen, müssen wir eingestehen, dass viele Muslime, die sich anschliessen, von einer Art Hemingway Syndrom betroffen sind. In den späten 1930er Jahren war Ernest Hemingway – wie viele Amerikaner – in Spanien und kämpfte gegen das faschistische Regime von Franco. „Wem die Stunde schlägt“ ist vielleicht das berühmteste literarische Werk über diesen Konflikt. Beim Widerstand gegen Franco bedienten sich die Rebellen Aktionen, wie wir sie heute aus dem Mittleren Osten kennen; Selbstmordattentate, sinnloses Töten, Sprengen von Brücken und willkürlicher Sadismus. Amerikaner wie Hemingway und Europäer wie George Orwell waren von Mitgefühl mit den Benachteiligten zum Kampf getrieben, um sich für eine Sache einzusetzen. Heute sehen viele Muslime, was Assad in Syrien macht – mehr als 200‘000 Menschen abgeschlachtet und Millionen Vertriebene – während der Westen zuschaut. Sie haben das Vertrauen in ihre Regierungen verloren.

Es ist nicht das erste Mal, wo das Hemingway Syndrom unter den europäischen Muslimen sichtbar wurde. In den 1980er-Jahren zogen Europäer nach Afghanistan, um gegen die Sowjets zu kämpfen. In den 1990er-Jahren reisten beispielsweise Jugendliche von Britannien nach Bosnien, als sie den Genozid an den Muslimen sahen und die scheinbar bewusste Gleichgültigkeit von Europa. Viele Muslime gingen um medizinische und soziale Leistungen zu erbringen und andere um in irgendeiner Form mitzukämpfen.

All diese Faktoren veranschaulichen, warum so viele junge Muslime heutzutage zu einem ultimativen Opfer bereit sind.

Was kann man jetzt dagegen machen? Die europäischen Regierungen sind als erstes gefordert. Sie können angemessene Maßnahmen ergreifen, um die Ängste der jungen Muslime zu beseitigen, sie in verschiedenen Projekten einbeziehen und Arbeitsmöglichkeiten bereitstellen. Nebst der Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung sollten die Regierungen bei jeder Gelegenheit der gesamten muslimischen Gemeinde Achtung und Ehre erweisen.

Die Regierung darf niemals vergessen, dass sie vollwertige Bürger sind. Die Regierungen in Europa müssen auch engen Kontakt mit den Führern der lokalen Gemeinschaften pflegen, um eine Vertrauensbasis aufzubauen.

Dieses Problem kann nur mit der Berücksichtigung all der erwähnten Punkte gelöst werden. Es geht um ganzheitliche, langfristige Lösungen, aber es ist unbedingt notwendig, dass die Führer der muslimischen Gemeinschaften und die Regierungen in Europa anfangen, Wege zu finden, um gemeinsam die Probleme zu lösen.

Botschafter Akbar Ahmed, der Ibn Khaldun Lehrstuhl für Islamstudium an der American University, leitete eine Feldstudie für das Buch „Journey into Europe: Islam, Immigration, and Empire“.

theamericanmuslim.org

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